Drei Gedanken zur Arbeit
Von Stephanie Werth
I. „Ich arbeite, also bin ich!“
Galt in der Antike noch der Leitsatz „von der Arbeit befreien“, um Anerkennung in der Gesellschaft zu erhalten, so hat sich diese Ansicht längst ins Gegenteil verwandelt. Heute ist man nur in der Arbeit wirklich frei. Der lateinische Begriff für Arbeit, ‚labore’, lässt darauf schließen, dass Arbeit anstrengend, mühevoll, ja sogar schmerzvoll sein kann. Seit dem 18. Jahrhundert und somit mit dem Beginn der Industriellen Revolution erfuhr der Begriff jedoch einen Bedeutungswandel. Nun wurde Arbeit eher mit der materiellen Bedürfnisbefriedigung in Verbindung gebracht. Das hat sich bis heute nicht geändert. Um ihr Leben finanzieren zu können, gehen die Menschen arbeiten, sie arbeiten also, um zu leben.
Dennoch hört man immer öfter das Gegenteil: „Ich lebe, um zu arbeiten.“ Das Leben über die Arbeit zu definieren, ist jedoch keine rein finanzielle Angelegenheit, auch wenn man dies vermuten könnte. Arbeit zu haben, bedeutet auf der einen Seite natürlich, dafür entlohnt zu werden. Es sei dahingestellt, ob dieser Lohn angemessen ist, oder nicht. Aber es bedeutet darüber hinaus auch, Anerkennung und Respekt zu bekommen. Außerdem hat man die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen, sei es mit den Kollegen, Geschäftspartnern oder im Austausch mit anderen Erwerbstätigen. Man hat eine gewisse gemeinsame Grundlage. Und dennoch scheinen Anerkennung und Respekt in unserer Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit zu sein, wenn es um bestimmte Berufsgruppen geht. Reinigungskräfte, Angestellte der Müllabfuhr, ja sogar Polizisten, Anwälte oder Lehrer müssen sich des Weilen Beleidigungen und andere Respektlosigkeiten gefallen lassen. Und die Liste kann beliebig erweitert werden. Ärzte, Feuerwehrmänner oder Piloten genießen dagegen fast immer ein hohes Ansehen. Sie haben Verantwortung für die Gesundheit und das Leben von Menschen.
Aber möchte man nicht gern saubere Toiletten im Einkaufszentrum und wöchentlich geleerte Mülltonnen haben? Polizisten sorgen für Ruhe und Ordnung. Das sollen sie bitteschön auch. Nur wenn es um die eigene erhöhte Geschwindigkeit oder das Falschparken geht, da sollten sie doch schon mal ein Auge zudrücken. Und wenn sie es nicht tun? Dann sind sie wieder diejenigen, die es auf den kleinen Mann abgesehen haben und sich einen Dreck um die kümmern, die wirklich mal mit dem Gesetz konfrontiert werden müssten. Gleiches gilt für Anwälte. Benötigt man selbst einmal einen, will man natürlich, dass der Leitsatz „Vor dem Gesetz sind alle gleich.“ gilt. Aber ein Mörder braucht doch keine Verteidigung. Der gehört einfach nur hinter Gitter. Und Lehrer? Die haben ja schon mittags frei und können in den Ferien auch tun und lassen, was sie wollen. Mit Arbeit verdient man! Mehr oder weniger Lohn, mehr oder weniger Anerkennung und Respekt, mehr oder weniger soziale Kontakte. Aber man verdient. Arbeit kann mühevoll sein, körperlich und geistig. Oft genug wird das eine oder das andere unterschätzt. Man weiß nicht um die Anstrengung, solange man es selbst nicht erlebt hat. Aber eines gilt dennoch: man ist jemand, egal was man arbeitet.
Beim Besuch der nächsten öffentlichen Toilette werde ich dem Herrn oder der Dame, der/ die dort um Sauberkeit bemüht ist, einfach mal ‚Danke’ sagen. Ich glaube, das hören sie viel zu selten.
II. „Ich arbeite, also verdiene ich! So viel wie mein Nachbar?“
Wollten Sie schon immer mal wissen, was Ihre Freunde oder Nachbarn verdienen? Immer wieder findet man in den Medien Bemühungen, das Mysterium Gehalt zu durchschauen und die Menschen an dieser Entwirrung teilhaben zu lassen. Objektivität scheint dabei selten eine Rolle zu spielen. Eine Berufsgruppe verdient dies, eine andere das. Unterschiede zwischen Mann und Frau, Ost und West, Jung und Alt oder ungelernt und ausgebildet werden selten thematisiert.
Umfangreiche Analysen erhält man jedoch schon anhand weniger Klicks im allumfassenden und allwissenden Internet. Reporte des statistischen Bundesamtes und andere Untersuchungen schwirren da draußen irgendwo rum. Eine reine Objektivität möchte ich auch diesen nicht zumessen, aber sie liefern interessante Hintergrundinformationen und Zahlen. Die Frage ist: Wollen die Medien überhaupt solche Details bieten? – Das böse Wort ‚Meinungsmache’ geistert herum …
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein paar interessante Statistiken anführen. Aber Zahlen und Fakten sind ja so ermüdend. Dann wollte ich anmerken, dass zum Gehalt auch Lohnnebenkosten kommen und dass diese zum Beispiel je nach Familienstand ganz unterschiedlich ausfallen und demnach vom Bruttolohn ganz unterschiedlich viel übrig bleibt.
Aber dann ist mir aufgefallen, dass eine Selektion von Informationen immer auf Kosten der Objektivität geht. Dann wäre ich ja aber nicht anders als die bösen Medien mit ihrer bösen Meinungsmache. Zwickmühle!
Also lasse ich es. Ich verweise lediglich auf informatives Lesematerial wie das „Jahrbuch 2008“ oder den „Datenreport 2008“, beide herausgegeben vom Statistischen Bundesamt.
Und nun? Sie wollen wissen, wie viel Ihre Freunde oder Nachbarn verdienen oder wie viel ihnen zum Leben bleibt? Fragen sie doch! Fragen sie: Wie viel verdienst du? Bist du Mann oder Frau? Wohnst du im alten Bundesgebiet oder in den neuen Ländern? Wie alt bist du? Hast du einen Beruf erlernt oder nicht? Welchen Abschluss hast du? Gibt es in deinem Beruf Tarifverhandlungen? Erhältst du einen Mindestlohn? Arbeitest du Voll- oder Teilzeit? Bist du verheiratet oder nicht? Wenn ja, arbeitet der Partner oder die Partnerin? Hast du Kinder? Wenn ja, wie viele? Bist du Berufseinsteiger oder arbeitest du schon seit Jahren? Musst du Unterhalt zahlen? Hast du zu pflegende Angehörige? …
Wer Hilfe beim Erstellen eines Fragebogens benötigt – ich kann helfen. Allerdings nur gegen angemessene Bezahlung. Wie viel das ist? Nun, ich bin eine Frau, 27 Jahre alt, wohne in den neuen Bundesländern, habe einen Hochschulabschluss …




