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Blond, Branding, Trendwenden

Die Generation der Imagologen

Von Tom Price

Der australische Premierminister beantwortete kürzlich die Frage eines Journalisten mit einem sehr umgangssprachlichen, prolligen Ausdruck. Leider jedoch benutzte er den Ausdruck in völlig verkehrter Weise. Das war nicht nur etwas peinlich und sorgte für ein mediales Geläster, sondern brach auch ein dünnes Eis des Verständnisses von Politik. Der Premier offenbarte mit seinem linguistischen Ausrutscher neben seiner akademischen Herkunft nämlich auch seine Image- und Styleberater, die ihn wahrscheinlich dazu angehalten haben, den Kontakt zur Bevölkerung durch Slang zu suchen, um assoziatives Vertrauen zu wecken. Und tatsächlich lässt sich erkennen, dass er in Interviews mit Journalisten häufiger auf solche Umgangsformen zurückgriff, als vor dem Antritt seiner Amtszeit.

Kann es sein, dass in unserer demokratisch geprägten Gesellschaften das Image einer Person mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, als Worttreue und Inhaltsvermittlung? Image, also die Konzentration darauf, was die Umgebung von einem selbst denkt, gibt es schon seit jeher. Die grundlegende Frage: Was denken andere über mich? wurde nicht erst seit Erfindung der Republik gestellt. Pharaonen und Könige ließen Ebenbilder ihrer Macht errichten und erstellten so Images ihrer selbst. Dem gegenüber steht die Frage, wie Gedanken und Umwelt geändert werden können – Ideologie. Letztere ist mit Einzug der Demokratie verblasst. Mit dem Untergang der monopolistischen Regierungsformen versank die Ideologie in ein Schattendasein, das ideologische Wettrüsten des 19. und frühen 20. Jahrhundert ist in der westlichen Gesellschaft in dieser Form vorüber. Während autokratische Herrscher Machtverlust nicht so sehr fürchten mussten, ist die Macht heutzutage instantaner, instabiler, kurzfristiger, da sie mit jeder Wahlperiode verloren gehen könnte. Ideologien jedoch sind verglichen zu einem flexiblen Image starr und langfristig und passen so nicht in die strategische Palette eines Politikers. Doch nicht nur in der Politik gewann die, nennen wir sie, Imagologie gegenüber der Ideologie an Dominanz. Mit Voranschreiten der Konsumgesellschaft breitete sich die Sorge um das Image auch in Wirtschafts- und Finanzwelten aus, fand so schließlich zur Basis von Öffentlichkeitswahrnehmung und Gesellschaft und breitete sich in unserer Gegenwart aus. Nicht nur die gesellschaftlichen Vertreter oder Politiker setzen sich aus Meinungsopportunisten und Pragmatikern zusammen, sondern unsere Gesellschaft selbst.

Glücklicherweise. Der fehlende Glaube in Ideologien lässt Extremisten auf wackeligen Konstrukten stehen, mit der Schwäche der Ideologien verschwand das Aufrüsten und der Krieg aus Europa. Ohne Ideologie auch keine Glorifizierung oder Stigmatisierung. Das Individuum der zeitgenössischen Gesellschaft ist durch Meinungsschwäche und Manipulierbarkeit gekennzeichnet, beeinflussbar durch öffentlichen Trends und Attitüden. Auf diese Weise jedoch auch offen gegenüber Ideen, denen gegenüber sich vorurteilbehaftete Ideologen aufgrund ihrer konventionellen Barrieren verschließen. Darin liegt das Potential dieser Image-Generation. Sie ist die Generation, die sich mit einer erheblichen Schädigung unseres Ökosystems auseinandersetzen muss. Die ihre Vorstellungen von Luxus und Gewohnheit einschränken werden muss zum Wohle der Erhaltung des Planeten. Die Generation, die ihre Werte von wirtschaftlichen Wachstum hinterfragen werden muss, die flexibel sein muss.

Der phrasendreschende australische Premier? Er hat bisher nicht nur auf seine Imageberater gehört, sondern endlich auch, als vorletzter Staat, Kyoto ratifiziert.