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Belbourne in Melbourne

oder: Der Geist des Kapitalismus

Von Steph Belbourne

Hier in der angelsächsischen Welt hat man es nicht einfach als sozial-kapitalistisch verwöhnter Deutschländer. Selbst der einfachste Kauf einer Prepaid-Handykarte entpuppt sich als Falle.

Ich stehe also im Telefongeschäft, und erwarte, denke man an die Malls in den USA, mindestens 30 verschiedene Anbieter. Verwunderlicherweise sehe ich nur 3. Zumal diese zu 100 Prozent die gleichen Konditionen haben. Hoffnung keimt in mir, dass dieser Kauf ein unkomplizierter sein wird.

Ich bin drauf und dran, ein Angebot zu nehmen,  bei dem man merkwürdigerweise 30 $ zahlt, jedoch über ein Guthaben von 150 $ verfügt. Hey, ich hatte 12 Jahre Mathe, so einfach legt man mich nicht rein. Also schaue ich genauer hin, und stelle fest: ha, meine 150 $ muss ich binnen 30 Tage vertelefonieren, sonst wird Guthaben gelöscht und es gibt Abzug beim nächsten Mal. Ganz fieser Trick. Nicht mit mir. Ich bin nämlich ein Nie-Telefonierer, der alle 3 Monate sein Guthaben mit 15 € auflädt. Ich bin anruffaul. Nun fällt mir der so genannte „Long life tarif“ auf. Dort erstehe ich angeblich ein Guthaben von 20 $ Dollar mit einem Wert von 20 $, also wie es laut mathematischen Regeln sein sollte. Für die Einbuße habe ich ein Jahr Zeit, das Guthaben zu vertelefonieren. 20 australische Dollar, das sind 10 Euro – für ein Jahr? Passt perfekt! Triumphierend schreite ich zur Kasse, um das Guthaben auf das Handy zu laden. Ich zahle jedoch nur 18 $, statt 20. Warum, ist auch dem Verkäufer schleierhaft. Als ich schließlich zuhause mein Guthaben per Anruf auf meine Karte lade, verkündet mir die nette computergenerierte Damenstimme, dass ich 2 Monate Zeit habe, die 20 long-life-Dollar zu vertelefonieren. Hey, wo sind meine 10 Monate?!

Heute nun wollte ich auf der Arbeit anrufen, da ich meinen Taschenkalender vergessen habe. Ich wähle also die Nummer, ahne nichts Böses, doch spreche ich nicht mit einem meiner Kollegen, sondern mit eben jener freundlich-netten computergenerierten Stimme, die mir mitteilt, das mein Guthaben „eliminiert“ bzw. abgelaufen ist. Und auf mein verblüfftes Fragezeichengesicht gibt es nur eine sinnvolle Antwort.

Hat mich der Kapitalismus also wiedermal beschissen. Großartig.