Konsumkritik hin, Finanzkrise her. Alles was ist muss auch vergehen. So ist der Lauf der Dinge, metaphysisch gesprochen. Wir werden nicht arm an dummen Platituden sein. An Menschen die meinen sie hätten es vorher gewusst und keiner hat auf sie gehört und an Menschen die meinen sie hätten nie etwas bemerkt. Das ist vielleicht die einzige Konstante, bei jeder neuen Krise. Die Frage, die sich aber denjenigen stellt, die weder zur Kategorie Besserwisser noch zur Gattung der Ahnungslosen gehören, ist ebenso simpel wie kompliziert: Was soll/kann/darf ich machen?
Der erste Schock ist die Krise. Der zweite ist, dass man trotzdem wieder morgens aufwacht. Das ist dann wohl auch die erste Einsicht. Krise ist nicht gleichbedeutend mit der totalen Zerstörung aller Infrastrukturen. Und deshalb lohnt es sich nicht für den Einzelnen einen Managementplan zu haben, für alles was da eventuell kommen mag. Wo solche Manöver enden haben wir gesehen, als alle unsere Computer zum Jahreswechsel 2000 abgestürzt sind und wir monatelang hungernd in der Kälte saßen, weil ein paar Schlaumeier alle Lebensmittel und Heizstrahler im lokalen Hypermarkt weggekauft hatten. Damals konnten sich die Produzenten von Astronautennahrung kaum retten vor Aufträgen (per Boten zugestellt, versteht sich).
Aber im Ernst. Seit damals hat man das Gefühl, dass man eigentlich keine Krise mehr ernst nehmen kann, weil die Coca Cola Trucks sowieso Care-Pakete auf dem örtlichen Marktplatz verteilen würden und andererseits hat man auch begriffen, dass man, egal wie viel Hamsterkäufe man getätigt hat, nie so richtig vorbereitet ist auf das, was da kommen mag.
Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens, je nachdem wo er lebt, eine gute Hand voll Krisen unterschiedlicher Intensität. Im schlimmsten Fall zwingt einen die Krise zur Aufgabe der Lebensumstände, im Besten zur Aufgabe von 300 lumpigen Dollar auf irgendeinem australischen Konto. Nichtsdestotrotz bleibt die Krise gefährlich. Aber hier gilt es zu relativieren. Nicht den Krieg und nicht die Naturkatastrophe. Aber die systembedingte Krise.
Bei uns ist es gerade so eine systembedingte Krise. Und das unendlich abstrakte Summen von Geld plötzlich fehlen und man sich vorkommt als sei man in einem Beckett Stück ist grauenhafte Perversion. Aber ich konnte gestern mein Brot noch für 99 Cent kaufen. Das ist die Realität. Tatsächlich muss ich nur meinen Luxus einschränken. Aber für die Gefährdung meiner Existenz gibt es noch keine Anzeichen. Das kann zweierlei bedeuten. Entweder kriege ich es sowieso nicht mit, weil ich eh am Existenzminimum lebe oder aber die Krise und das System gehören zusammen: Die eine bedingt die Andere.
Der systemtheoretische Diskurs passt leider nicht mehr hierher. Aber den findet man mittlerweile auch an jeder Ecke. Ich verweise auf die Kategorie „Schlaumeierei“.
Und trotzdem steh ich hilflos da. Die Krise betrifft mich einfach nicht. Das wäre anders wenn ich in Island leben würde. Aber hier in Deutschland kommen mir die Hiobsbotschaften eher so vor, als dürften alle Unternehmen mal kurz pausieren und sich die lästigen Steine aus den Schuhen pulen lassen. Und lästig sind meist die Angestellten. Aber, und auch das gehört zum System: Die meisten von diesen Leuten werden wieder Arbeit finden. Dafür wird irgendwer sorgen, der sehr an der jetzigen Art der Wirtschaft hängt. Schließlich kommt sonst nicht die systembedingte Krise, sondern die Systemkrise. Die beträfe mich dann wieder.
Und so bitte ich darum, dass mir jemand Antwort gibt: Was soll ich tun in Zeiten der Krise?
zack blond





Naja, ist ja noch eine sehr junge Krise, kaum 2 Monate ist es her, da hat sie das Licht der Wall-Street-Welt erblickt und betrat unsicher tapsend den freien Gütermarkt. Und so unsicher ist sie auch jetzt noch, weiß nicht wohin mit ihrem Zerstörungspotential. Sie ist, ein Kind der Stunde des Booms, nur langsam wachsend. Umso schlimmer jedoch, wenn sie chronisch ist.
Ich denke nicht, dass die Krise der 20er wie ein Gewitter hereinbrach und innerhalb einer Nacht alles donnernd in Trümmern lag. Eh da all die Arbeitslosen auf der Straße demonstrierten, gab es sicher auch ein ruhiges Vorspiel. Trügerisch ruhig. So auch jetzt. Guter Artikel.