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John und die Sehnsucht nach dem Jagdbomberpiloten

Der Mann mit dem besseren, stilgemäßeren Namen hat nicht gewonnen. John McCain wäre als Präsident die Verkörperung des Roland-Emmerich-Amerikas geworden, die Zusammenführung von Kämpfer-Attitüde und edler Intention; Weltrettung und Zerstörung des Bösen. Dabei wäre er nicht wie George W. Bush tollpatschig und Unsinn redend in jede Falle der Medien geraten und hätte immer mit einer Mischung aus tiefster Entschlossenheit und Diskretion agiert. An Vietnam geschult hätte er die Gegner gekannt, die ihn hinterrücks zu überraschen gedenken und in Reaktion darauf – anstatt Salven an stumpfen Redneck-Parolen abzufeuern – im Geheimen Pläne geschmiedet und sie lautlos ausgeschaltet. Elegant hätte er es, als amtierender Regierungschef und elder statesman gleichzeitig, verstanden, seinen Charme zu entfalten und mit seiner Erfahrung und seinem dezenten Humor die Notwendigkeiten und einer glücklicherweise unsozialistischen Politik zu erläutern. John McCain hätte Thomas J. Whitmore, dem Präsidenten aus Independence Day, alle Ehre erwiesen. Die Welt hätte ihn vielleicht nicht gemocht, aber respektiert, denn er heißt fast wie Bruce Willis in Die Hard. Stattdessen hat das Elijah-Wood-Amerika gewonnen und einen Morgan Freeman zum Präsidenten gewählt. Das ist natürlich gut für alle, auch für den pausbäckigen middle-west Durchschnitts-Rassisten. Aber an John McCain – man lasse es sich auf der Zunge zergehen – John-Mac-Cain, am weißhaarigen, heißt lebenserfahrenen und routinierten Johnny ist (und sei es in der Fantasie) einer der ganz Großen verloren gegangen – der erste US-Präsident, der auch ein wahrer Held gewesen wäre, ganz wie im Film. Und mit ihm – das ist das Bedauerlichste – ein Typus, wie er wohl auch nach Obama nie wieder die USA regieren kann. Obamas Sieg ist eine Zäsur, eine überfällige sogar – aber was machen diese vielleicht vier Jahre denn schon aus? Ein letztes Mal die Herrschaft des gläubigen, weißen Mannes, ein bis zwei Kriege mehr und Diktatoren weniger, noch einmal der Glaube an Ideale und Überzeugungen, noch einmal keine Kompromisse. Wir hätten uns noch ein letztes Mal im Glanz der garantierten Sicherheiten wälzen können und jemanden bewundern können, der anpackt, der es einfach macht, ohne zu fragen, einem Problemlöser, dem man Vertrauen entgegenbringt. Ein Bollwerk, welches mit den Werten der Aufklärung gegen die hemmungslosen Ausschweifungen aufklärerischer Maximen kämpft. Ein richtiger Mann, dem keine Bedenken über politische Korrektheit oder Besorgnis um die Aufrechterhaltung der Bürgerrechte den klaren Kopf vernebeln, wenn es um die Sendung weiterer Soldaten zum Kampf für Freiheit geht.

Nun wurde aber der sogenannte „Versöhner“ gewählt und man hoffte in McCains Abschlussrede wenigstes auf ein letztes Zeichen, eine kurze gewaltige Eruption gegen all die Memmen da draußen, die falsch gewählt haben.

Doch was sieht man dann? Statt einer flammenden Rede gegen den Rotarmisten und Hippie Barack Obama, statt eines wutentbrannten Plädoyers für einen Einmarsch in einen Schurkenstaat, statt eines aggressiven Aufschäumens gegen Menschlichkeit und Schonung der Gegner, statt einer zornigen Parteinahme für den weißen, bigotten Arbeiter – nichts von alledem. John „Weichei“ McCain zollt seinem Konkurrenten unterwürfige Anerkennung für dessen Erfolg und hofft baldige Annäherung inhaltlicher Art. Als gäbe es da zu diskutieren! Was uns, die wir in der Sehnsucht nach einem Jagdbomberpiloten im Präsidentenamt vereint sind, nun noch bleibt: Neben der Gewissheit, dass der durchschnittliche deutsche Redneck auch in 20 Jahren weit davon entfernt sein wird, einen Türken zum Bundeskanzler zu wählen, auch die Einsicht, dass wir weiterhin unsere einzige Hoffnung in das cineastische Erlebnis schlechter Filme setzen können, in denen der Präsident weder schwarz noch frau ist, weder liberal noch Wehrdienstverweigerer. Hoffen wir, dass uns wenigstens das bleibt – oder auf die große Stunde des Joe Biden.

Maximilian Haase