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Weihnachtswirtschaft – Die Rettung der Märkte?

Es ist Mitte November in London, Zeit die Weihnachtssaison einzuläuten. Die ersten Spots laufen schon im Channel, Oxford Street erscheint in weihnachtlichen Neonglanz, die Häuserfluchten sind gefüllt mit Weihnachtsliedern aus blechernen Endstufen und überdimensionierten Weihnachtskugeln, die über der endlosen Aneinanderreihung der roten Doppeldecker sanft hin und her schaukeln. Die Schaufenster, große Konsumfernseher der Kaufhäuser, zeigen das neue Weihnachtsprogramm. Steigt man in einen der Busse, schlägt einem die dick beschlagene Luft von Atem entgegen. Schade nur, dass es nicht schneit. Auch so richtig kalt ist es nicht. Nicht einmal der Atem kondensiert. So rechte Winterstimmung macht sich nicht breit, dafür ist London viel zu grau und verregnet.

So baumelt die Weihnachtskonstruktion etwas halbherzig in der Luft. Schnee kommt, wenn überhaupt, erst später. All der Hype verfrüht und unnötig?

Doch die Auflösung der alten Verbindung zwischen Winter und Chrismas hat ökonomische Vorteile. Indem die Briten nun schon langsam die Hochkonjunktur des Weihnachtskonsums einläuten, kurbelt das die Umsätze an, es wird investiert. Kapital wird wieder in Umlauf gebracht, die Weihnachtswirtschaft fluktuiert. Der Weihnachtsmann und sein Elfenstaat könnten sich als wahre Retter der Finanzkrise herausstellen. Mit der Belieferung seiner Ware bietet das Land am Nordpol Ansätze zu neuem Aufschwung und wirtschaftlicher Ankurbelung. Der Staat selbst könnte jedoch schlimmer von der Krise getroffen werden, als erwartet, sollte die Nachfrage auf den westlichen Weihnachtsmärkten geringer ausfallen als vermutet. Der Staat selbst besitzt nur ein geringes Kapitalvolumen und kann strauchelnde westliche Gesellschaften nicht mir Krediten in Milliardenhöhe versorgen. Die WTO stuft das Land als Entwicklungsland der dritten Welt ein, das niedrige Bruttosozialprodukt des Landes und die Unterbezahlung der arbeitenden Masse ist direkt an das Konsumverhalten der westlich-christlichen Welt gekoppelt. Zusätzlich haben führende Wirtschaftsexperten berechnet, dass der Boom in der Weihnachtsindustrie mit Beginn des neuen Jahres abklingen, und der Wirtschaftswachstum negative Zahlen annehmen wird. Zu einer Auslöschung des Festes und des Weihnachtsstaates kann es jedoch nicht kommen. „Dafür ist der Brauch zu sehr in die kulturelle Identität der westlichen Gesellschaften integriert“, sagt Sarah Körner, Dozentin für Kulturwissenschaften.

Wenn überhaupt, bietet die Weihnachtszeit nur einen kurzen Zeitraum der Entspannung, und reicht nicht aus, um die Erholung der Märkte zu gewährleisten. Sollte der Verbraucher also die ein oder Andere Schokobanane mehr erstehen, und auch auf den Glühwein nicht verzichten, ist das kein Grund für schlechtes Gewissen oder Gewichtsbedenken.

Steph Belbourne, London